Am 22.3. 1811 kam er in der Nähe von Bautzen zur Welt: Johann Kilian, der im Bewusstsein der Lausitzer Sorben bis heute einen bedeutenden Platz einnimmt. Er schuf mehr als 100 Choräle, teilweise mit ihren Melodien. Er übersetzte wortgewaltig u.a. die Bekenntnisschriften der Luth. Kirche in seine Muttersprache. Seine 1846 erschienen Sammlung sorbischer Kirchenlieder diente jahrzehntelang als Lehrbuch. Jan Kilian ist der „Paul Gerhardt“ unter den evangelischen Sorben.
Für uns Lutheraner in der preußischen Lausitz ist er es, der als Pastor vom sächsischen Kotitz aus den Sorben die Schriften der Altlutheraner aus Breslau übersetzte. Damit wurde er zum Kristallisationspunkt der sorbischen Parochie der Ev.-Luth. (altlutherischen) Kirche, die 1843 entstand, und deren erster Pfarrer er von 1848-1854 war. Zu seiner Zeit breitete sich die Bewegung schnell fast über die ganze preußische Lausitz aus. Drei „seiner“ Gemeinden existieren bis heute in der SELK: Döbbrick (mit Cottbus), Klitten und Weigersdorf.
Am lebendigsten aber dürfte sein Erbe als „Vater“ des 1,2 Mio. Glieder zählenden Texasdistrikt der Missouri Synode sein. Kilian führte 1854 als „sorbischer Moses“ den letzten der konfessionellen Auswandererzüge aus Preußens Not und Unfreiheit nach Amerika. Nach katastrophaler Überfahrt (mit 81 Choleraopfern) siedelten die Lutheraner in Serbin, auf halbem Wege zwischen Houston und Austin. Durch Kilians unermüdliches Wirken breitete sich die Missouri Synode in ganz Texas aus.
Über ihn sind viele Werke in deutscher, englischer und sorbischer Sprache verfasst worden.